In der heutigen Zeit sind Ferntouren für Menschen, die nicht in der Dritten Welt oder in Entwicklungsländern geboren sind und dort zu (über-) leben versuchen, fast eine Selbstverständlichkeit. Ob Fernost wie China, Vietnam und Australien oder “Fernwest” wie Nord- oder Südamerika, kaum eins dieser Ziele wird von denjenigen ausgelassen, die entweder unter der ewigen Angst, etwas
zu verpassen, leiden oder befürchten, von anderen Reisefanatikern nicht anerkannt zu werden. Wünsche und Sehnsüchte werden auf raffinierte und gekonnte Art geweckt, Kataloge und übertriebene Berichte von anderen, die der Reise- und Angebersucht verfallen sind, verstärken diese Wirkung bis in krankhafte Verhaltensweisen. Gab es eine Zeit, in der man oft meinte, dass Kleider Leute machen oder der Spruch “Hast du was, dann bist du was!” galt, so müsste man heute sagen: “Weite Reisen machen Leute” oder “Wer mit fernen Zielen prahlt, der ist auch was!!”
Doch die Sehnsucht nach fernen Ländern, nach grandiosen Schönheiten unseres Planeten sehe ich nicht absolut unter den oben angeführten negativen Aspekten, sondern auch als Verwirklichung eines speziellen menschlichen Traumes, der in unserem Alltagsbereich nie erlebt werden könnte. Ich denke hier beispielsweise an manche, in Büchern und Bildern geweckte Verbundenheit, sei es mit der ‘toten’ Natur, mit Wüsten und Gebirgen oder Meeren, sei es mit der lebenden Natur, ob nun Pflanzen, Menschen oder Tiere, oder sei es mit den Schätzen der Kulturen ( vor allem der Malerei und Baukunst), deren sichtbare und erlebbare Werke uns menschliche Vorfahren oder Zeitgenossen überall auf der Welt hinterlassen haben.
Denke ich an die Beweggründe für unsere Reisen in die Ferne, so sind diese vielfältig und haben sich langsam im Laufe vieler Jahre entwickelt:
Der Wunsch, eine Reise in die Masuren zu unternehmen, ist in dem Zusammenhang zu sehen, dass ich das Land meiner Vorfahren (väterlicherseits) näher kennen lernen wollte. Meine Großeltern waren von Allenstein in das Ruhrgebiet ausgewandert, in dem mein Großvater als Bergmann zu Beginn der Industrialisierung seinen zukünftigen Broterwerb eher zu verdienen hoffte als in den mehr ländlich ausgeprägten Masuren.
Spanien und hier speziell der Jakobusweg war ein lang gehegter Reiseplan, den ich zu Beginn meines neuen
Lebensabschnittes als Pensionär zu verwirklichen trachtete. Dankbarkeit in Blickrichtung Vergangenheit und Hoffnung in die der Zukunft waren mit der Durchführung dieser (Pilger-) reise verbunden, die ich mit Rita zusammen mit einer Gruppe Schwarzwälder unternahm, die so wie wir beide zeitlebens begeisterte Zweiradfahrer waren. So war es fast selbstverständlich, dass wir uns alle während dieser Reise in dieser Gruppe von Gleichgesinnten sehr wohl fühlten und immer wieder gerne an diese ca. 900 km lange Tour zurückdenken, wenn wir die Dia- oder Video-Show der Reise betrachten.
Die dritte Reise führte ins südliche Afrika nach Namibia und galt vornehmlich der dortigen Tierwelt, die wir vor allem im Etosha- Park erlebten. Natürlich war es ein Bruch mit unseren bisherigen Urlaubs- und Reisegewohnheiten, dass wir hier zum ersten Mal seit langer, langer Zeit auf unsere Räder verzichten mussten, doch die Sehnsucht nach Sonne und einer Natur in ihrer ursprünglichsten Form hat dieses Land in uns ebenso geweckt wie auch den festen Vorsatz, nie wieder mit einer Reisegruppe unterwegs sein zu wollen, auf die die Beschreibung des ersten Absatzes dieser Seite fast vollkommen zutrifft.
